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GENERATIONENWISSEN

Warum jede Generation glaubt,
die Jugend sei schlechter als früher

Die Kritik an jungen Menschen ist keineswegs ein neues Phänomen. Im Gegenteil: Gerade in Krisenzeiten neigen Gesellschaften dazu, ihre Zukunft infrage zu stellen und damit auch die Generation, die diese Zukunft verkörpert. Wer junge Talente gewinnen möchte, sollte zwischen medialen Klischees und Bedürfnissen unterscheiden.

Woman wearing colorful sunglasses with a daisy held in her mouth against a clear blue sky.

Erkentnisse:

Jugendkritik ist ein Krisensymptom

Wenn Gesellschaften ihre Zukunft als unsicher erleben, wird häufig auch die Jugend kritischer betrachtet.

Generationen werden oft zu stark vereinfacht

Einzelne Beobachtungen oder problematische Beispiele werden schnell auf ganze Generationen übertragen.

Unterschiede innerhalb einer Generation sind häufig größer als zwischen Generationen

Viele vermeintliche Generationeneffekte lassen sich eher durch Lebensphasen oder individuelle Lebenssituationen erklären.

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30 Minuten Gen Alpha, erschienen 2026 im GABAL Verlag.

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„Die Jugend von heute …“

Kaum ein Satz wird seit Jahrhunderten so regelmäßig wiederholt wie dieser. Mal gilt die junge Generation als zu bequem, mal als zu empfindlich, mal als zu wenig leistungsbereit, mal zu faul, mal zu wild, mal zu aufmüpfig. In sozialen Netzwerken kursieren Schlagworte wie „Generation Schneeflocke“, „Generation TikTok“ oder „Generation lebensunfähig“. Beim Deutschen Handwerkertag sprach man von der "hafermilchtrinkenden Weichei-Generation".

Neu ist das alles nicht. Für die Publikation „Generation Alpha“, die 2027 erscheint, sprach Sprungbrett mit dem Generationenforscher François Höpflinger von der Universität Zürich. Seine Beobachtung ist eindeutig: Negative Bilder der Jugend tauchen vor allem dann auf, wenn Erwachsene selbst verunsichert sind. Denn Jugendliche stehen immer für die Zukunft einer Gesellschaft. Wenn Menschen ihrer eigenen Zukunft nicht mehr vertrauen, fällt es ihnen häufig auch schwerer, denjenigen zu vertrauen, die diese Zukunft gestalten werden.

Historisch zeigt sich dieses Muster immer wieder. Bereits im 19. Jahrhundert wurden junge Menschen kritisch betrachtet. Ähnliche Debatten entstanden während der Studentenbewegungen der Nachkriegszeit, später bei der Disco-Generation, den sogenannten Halbstarken oder verschiedenen Jugendkulturen. Die Vorwürfe ändern sich. Das Muster bleibt erstaunlich konstant.

Zahlen, die
zum Nachdenken anregen
  • 80 % der medialen und politischen Aufmerksamkeit konzentrieren sich häufig auf etwa 20 Prozent der Jugendlichen, die Probleme verursachen oder besonders auffallen.
  • 0 Generationen waren bislang frei von Jugendkritik. Negative Bilder junger Menschen gab es laut Höpflinger praktisch zu jeder Zeit.
  • 2 Richtungen prägen die Wahrnehmung von Jugend häufig gleichzeitig: Zukunftshoffnung und Zukunftsangst.

Das Problem mit Generationenlabels

Besonders kritisch sieht Höpflinger die Tendenz, einzelne Beobachtungen auf ganze Generationen zu übertragen. Wenn einzelne Jugendliche auffallen, entsteht schnell die Erzählung einer gesamten Generation. Einzelne Verhaltensweisen werden zu vermeintlichen Zukunftstrends erklärt. Dadurch entsteht häufig ein verzerrtes Bild. Für die Forschung ist das problematisch.

EXPERTEN STIMMEN

François Höpflinger, Generationenforscher, zu Sprungbrett:

„Das Hauptproblem besteht darin, dass Beobachtungen einzelner Gruppen verallgemeinert werden.“

Older man with gray hair wearing a blue sweater and light blue shirt standing outdoors near a planter.

Generationenkonzepte bieten scheinbar einfache Antworten auf komplexe gesellschaftliche Veränderungen. Sie helfen dabei, Wandel verständlich zu machen. Gleichzeitig können sie wichtige Unterschiede verdecken. Denn die Forschung zeigt immer wieder: Die Unterschiede innerhalb einer Altersgruppe sind häufig größer als die Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen. Der bildungsnahe Jugendliche aus einer Großstadt hat unter Umständen weniger mit einem Gleichaltrigen aus einer ländlichen Region gemeinsam als mit einem Erwachsenen, der ähnliche Lebensbedingungen teilt.

Besonders spannend ist ein weiterer Gedanke aus dem Gespräch. Je unsicher Gesellschaften werden, desto stärker geraten häufig auch junge Menschen in die Kritik. Krisen, wirtschaftliche Sorgen oder gesellschaftliche Umbrüche erzeugen ein Gefühl von Kontrollverlust. Die Jugend wird dabei oft zur Projektionsfläche dieser Unsicherheiten.

EXPERTEN STIMMEN

François Höpflinger, Generationenforscher, zu Sprungbrett:

„Wenn die Erwachsenen einer Gesellschaft ihrer eigenen Zukunft nicht mehr vertrauen, entsteht häufig auch Misstrauen gegenüber denjenigen, die diese Zukunft verkörpern.“

Older man with gray hair wearing a blue sweater and light blue shirt standing outdoors near a planter.

Die Kritik an jungen Menschen sagt deshalb häufig weniger über die Jugend selbst aus als über die Stimmung einer Gesellschaft. Vielleicht lohnt sich deshalb ein Perspektivwechsel. Anstatt zu fragen, was mit der Jugend nicht stimmt, wäre möglicherweise die spannendere Frage: Was verunsichert Erwachsene derzeit so sehr, dass sie ihre Zukunft plötzlich pessimistischer betrachten?

Drei Erkenntnisse aus dem Interview

  • Jugendkritik tritt besonders häufig in gesellschaftlichen Krisenzeiten auf.
  • Generationenlabels vereinfachen komplexe Entwicklungen oft zu stark.
  • Die Unterschiede innerhalb einer Generation sind häufig größer als die Unterschiede
    zwischen verschiedenen Generationen.

Sie wollen mehr zur Studie wissen? Hier geht es zur Studie.

Generationenwissen

Generationen im Überblick

Von der Silent Generation bis zur Generation Alpha: Sechs Jahrzehnte gesellschaftlicher Wandel, sechs verschiedene Lebenswelten und ein erstaunlich ähnliches Muster an Kritik. Dennoch ist wichtiger, welche Ereignisse die Generationen prägten und in welchen Alter sie jetzt sind. Denn häufig sind Verhaltensweisen eher Alterskohorteneffekte – also das Alter ist ausschlaggebend – als die Generation an sich.

Silent Generation 1928 – 1945
Baby Boomer 1946 – 1964
Generation X 1965 – 1980
Millennials (Gen Y) 1980 – 1994
Generation Z 1995 – 2009
Generation Alpha 2010 – heute

Generation Alpha im Blick

Die Generation Alpha rückt in den Fokus. Warum?
Weil sie die Konsumentinnen und Konsumenten von morgen sind.

2026

Kinder beeinflussen bereits heute Kaufentscheidungen in Milliardenhöhe.

2028

Das Studium beginnt für die ersten Alphas.

2030

Generation Alpha sind die jungen Fachkräfte in den Firmen.

2035

Die größte Generation der Welt prägt Konsum und Arbeitswelt.

Sie benötigen den ersten Einblick in die Gen Alpha?

Hier geht es zur Publikation: 30 Minuten Gen Alpha, erschienen 2026 im GABAL Verlag.

4,9/5
Book cover front and back showing 30 Minuten Generation Alpha by Tina Sprung with blue geometric background.
Save the date

Generation Alpha: Umfangreiche Publikation für 2027 angekündigt

White card with bold text 'SAVE THE DATE!' among scattered colorful paper notes.
Die Entwicklung der Generation Alpha schreitet rasant voran. Deshalb arbeitet Tina Sprung derzeit gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern, Unternehmen und Kindern an einer umfassenden Folgestudie.

Geplante Veröffentlichung: Sommer 2027

Mehr als:
  • 3.700 Seiten Interviewmaterial
  • 27 Expertinnen und Experten
  • 187 ausgewertete Studien
fließen aktuell in die neue Publikation ein.
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