Die Kritik an jungen Menschen ist keineswegs ein neues Phänomen. Im Gegenteil: Gerade in Krisenzeiten neigen Gesellschaften dazu, ihre Zukunft infrage zu stellen und damit auch die Generation, die diese Zukunft verkörpert. Wer junge Talente gewinnen möchte, sollte zwischen medialen Klischees und Bedürfnissen unterscheiden.

Wenn Gesellschaften ihre Zukunft als unsicher erleben, wird häufig auch die Jugend kritischer betrachtet.
Einzelne Beobachtungen oder problematische Beispiele werden schnell auf ganze Generationen übertragen.
Viele vermeintliche Generationeneffekte lassen sich eher durch Lebensphasen oder individuelle Lebenssituationen erklären.
„Die Jugend von heute …“
Kaum ein Satz wird seit Jahrhunderten so regelmäßig wiederholt wie dieser. Mal gilt die junge Generation als zu bequem, mal als zu empfindlich, mal als zu wenig leistungsbereit, mal zu faul, mal zu wild, mal zu aufmüpfig. In sozialen Netzwerken kursieren Schlagworte wie „Generation Schneeflocke“, „Generation TikTok“ oder „Generation lebensunfähig“. Beim Deutschen Handwerkertag sprach man von der "hafermilchtrinkenden Weichei-Generation".
Neu ist das alles nicht. Für die Publikation „Generation Alpha“, die 2027 erscheint, sprach Sprungbrett mit dem Generationenforscher François Höpflinger von der Universität Zürich. Seine Beobachtung ist eindeutig: Negative Bilder der Jugend tauchen vor allem dann auf, wenn Erwachsene selbst verunsichert sind. Denn Jugendliche stehen immer für die Zukunft einer Gesellschaft. Wenn Menschen ihrer eigenen Zukunft nicht mehr vertrauen, fällt es ihnen häufig auch schwerer, denjenigen zu vertrauen, die diese Zukunft gestalten werden.
Historisch zeigt sich dieses Muster immer wieder. Bereits im 19. Jahrhundert wurden junge Menschen kritisch betrachtet. Ähnliche Debatten entstanden während der Studentenbewegungen der Nachkriegszeit, später bei der Disco-Generation, den sogenannten Halbstarken oder verschiedenen Jugendkulturen. Die Vorwürfe ändern sich. Das Muster bleibt erstaunlich konstant.
Besonders kritisch sieht Höpflinger die Tendenz, einzelne Beobachtungen auf ganze Generationen zu übertragen. Wenn einzelne Jugendliche auffallen, entsteht schnell die Erzählung einer gesamten Generation. Einzelne Verhaltensweisen werden zu vermeintlichen Zukunftstrends erklärt. Dadurch entsteht häufig ein verzerrtes Bild. Für die Forschung ist das problematisch.
„Das Hauptproblem besteht darin, dass Beobachtungen einzelner Gruppen verallgemeinert werden.“

Generationenkonzepte bieten scheinbar einfache Antworten auf komplexe gesellschaftliche Veränderungen. Sie helfen dabei, Wandel verständlich zu machen. Gleichzeitig können sie wichtige Unterschiede verdecken. Denn die Forschung zeigt immer wieder: Die Unterschiede innerhalb einer Altersgruppe sind häufig größer als die Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen. Der bildungsnahe Jugendliche aus einer Großstadt hat unter Umständen weniger mit einem Gleichaltrigen aus einer ländlichen Region gemeinsam als mit einem Erwachsenen, der ähnliche Lebensbedingungen teilt.
Besonders spannend ist ein weiterer Gedanke aus dem Gespräch. Je unsicher Gesellschaften werden, desto stärker geraten häufig auch junge Menschen in die Kritik. Krisen, wirtschaftliche Sorgen oder gesellschaftliche Umbrüche erzeugen ein Gefühl von Kontrollverlust. Die Jugend wird dabei oft zur Projektionsfläche dieser Unsicherheiten.
„Wenn die Erwachsenen einer Gesellschaft ihrer eigenen Zukunft nicht mehr vertrauen, entsteht häufig auch Misstrauen gegenüber denjenigen, die diese Zukunft verkörpern.“

Die Kritik an jungen Menschen sagt deshalb häufig weniger über die Jugend selbst aus als über die Stimmung einer Gesellschaft. Vielleicht lohnt sich deshalb ein Perspektivwechsel. Anstatt zu fragen, was mit der Jugend nicht stimmt, wäre möglicherweise die spannendere Frage: Was verunsichert Erwachsene derzeit so sehr, dass sie ihre Zukunft plötzlich pessimistischer betrachten?
Sie wollen mehr zur Studie wissen? Hier geht es zur Studie.
Von der Silent Generation bis zur Generation Alpha: Sechs Jahrzehnte gesellschaftlicher Wandel, sechs verschiedene Lebenswelten und ein erstaunlich ähnliches Muster an Kritik. Dennoch ist wichtiger, welche Ereignisse die Generationen prägten und in welchen Alter sie jetzt sind. Denn häufig sind Verhaltensweisen eher Alterskohorteneffekte – also das Alter ist ausschlaggebend – als die Generation an sich.
Kritik an der Generation:
Kritik an der Generation
Kritik an der Generation
Übermäßig pessimistisch und sarkastisch
Kritik an der Generation
Kritik an der Generation
Kritik an der Generation
Noch zu jung für weitreichende Generationsurteile – aber die ersten werden bereits formuliert
Kinder beeinflussen bereits heute Kaufentscheidungen in Milliardenhöhe.
Das Studium beginnt für die ersten Alphas.
Generation Alpha sind die jungen Fachkräfte in den Firmen.
Die größte Generation der Welt prägt Konsum und Arbeitswelt.
Hier geht es zur Publikation: 30 Minuten Gen Alpha, erschienen 2026 im GABAL Verlag.
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Geplante Veröffentlichung: Sommer 2027