Wenn eine Leitmesse zur strategischen Entscheidungsplattform werden soll
Die didacta ist seit Jahrzehnten der zentrale Treffpunkt für Akteure des Bildungswesens. Hohe Bekanntheit, große Themenvielfalt und eine starke institutionelle Verankerung sorgen dafür, dass sich hier nahezu alle relevanten Gruppen versammeln, von Lehrkräften über Schulträger und Politik bis hin zu EdTech-Anbietern und Verbänden.
Gleichzeitig zeigte sich in unseren Gesprächen und Analysen, dass die konkrete Wirkung der Messe für viele Beteiligte zunehmend schwer greifbar wird. Unterschiedliche Zielgruppen kommen mit sehr verschiedenen Erwartungen, Entscheidungszwängen und Zeitfenstern — bewegen sich jedoch innerhalb einer Struktur, die historisch gewachsen ist und diese Unterschiede nur begrenzt sichtbar macht. Orientierung entsteht dadurch nicht automatisch, obwohl die fachliche Qualität hoch ist.
Unser Ansatz war deshalb, die didacta nicht primär als Veranstaltung zu betrachten, sondern als komplexes System von Entscheidungsprozessen.
Analyseansatz
Statt ausschließlich Programmpunkte, Besucherzahlen oder Ausstellerlisten zu analysieren, haben wir untersucht, welche realen Problemlagen und Entscheidungsdynamiken die einzelnen Akteursgruppen mitbringen.
Dafür haben wir mit zentralen Stakeholdern des Bildungssystems gearbeitet und in qualitativen Tiefeninterviews erhoben:
- mit welchen konkreten Anliegen sie die Messe besuchen
- welche Entscheidungen vorbereitet werden müssen
- wo Orientierung gesucht wird und wo Überforderung entsteht
- welche Erwartungen an Austausch, Angebote und Formate bestehen
Dabei wurde deutlich, dass formal ähnliche Institutionen häufig aus völlig unterschiedlichen Logiken heraus handeln. Während einige Akteure mit konkreten Investitionsentscheidungen vor Ort sind, suchen andere Inspiration, politische Einordnung oder langfristige Kooperationen.
Parallel dazu haben wir Gespräche mit Messeveranstaltern und organisatorischen Verantwortlichen geführt, um zu verstehen:
- welche strategischen Ziele mit der Messe verfolgt werden
- welche strukturellen Rahmenbedingungen Gestaltungsspielräume begrenzen
- wo Anpassungen in Rollen, Formaten oder Raumstruktur möglich sind
So entstand ein Gesamtbild, das sowohl die Perspektive der Besuchenden und Ausstellenden als auch die organisatorische Logik der Messe berücksichtigt.
Strategische Perspektive
Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse haben wir die didacta als kuratierten Entscheidungsraum neu gedacht. Dies wurde in Zusammenarbeit mit einem Universitätsprojekt in Stuttgart durchgeführt. Studierende konnten anhand der erhobenen Daten Strategien ableiten.
Statt einer primären Gliederung nach Bildungsbereichen oder Institutionstypen wurde eine Perspektive entwickelt, die sich an Problemlagen, Handlungsdruck und Entscheidungsprozessen orientiert.
Ziel war es, Orientierung nicht über Themenfülle, sondern über Relevanz für die eigene Situation zu schaffen.
Kernansätze der strategischen Neuordnung:
→ Strukturierung entlang von Entscheidungsphasen statt Fachbereichen
→ Sichtbarmachung konkreter Problemlagen im Bildungssystem
→ Zielgruppenspezifische Navigationslogiken
→ Formate, die echte Anschlussfähigkeit erzeugen
→ Räume für sektorübergreifende Zusammenarbeit
Was daraus entsteht
Eine Messe, die nicht nur informiert, sondern Entscheidungen vorbereitet.
Eine Plattform, die nicht nur Vielfalt zeigt, sondern Prioritäten sichtbar macht.
Ein Raum, in dem unterschiedliche Akteure nicht nur gleichzeitig anwesend sind, sondern strategisch miteinander arbeiten können.
Der Use Case zeigt exemplarisch, wie eine traditionsreiche Leitmesse durch empirisch fundierte Analyse und systemisches Denken weiterentwickelt werden kann, ohne ihre Identität zu verlieren.
Leistungen in diesem Projekt
- Wettbewerbsanalyse der vorhandenen Messe
- Qualitative Tiefeninterviews mit zentralen Stakeholdergruppen
-Gespräche mit Messeveranstaltern, Ausstelern und organisatorischen Akteuren
-Mapping von Problemlagen und Handlungsdrucksituationen
-Strategische Neuperspektivierung der Messe als Entscheidungsplattform
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